Fürstentum Moskau & Russisches Zarenreich

Russland ist in vielen großen und auch kleinen Schüben entstanden, eine erste Erwähnung fand 1147 statt: Die Stadt Moskau wurde im Jahr 1147 erstmals urkundlich erwähnt, gegründet von Großfürst Juri Dolgoruki, der dort 1156 eine hölzerne Grenzfestung erbauen ließ.

  • Das eigentliche Fürstentum entstand in den 1260er-Jahren als kleines Appanage-Fürstentum, also Teilfürstentum innerhalb des Großfürstentums Wladimir-Susdal. Als der Kiewer Großfürst Alexander Newski 1263 starb, erbte sein jüngster Sohn, Daniel Alexandrowitsch, das zunächst unbedeutende Moskauer Gebiet und begründete damit die Moskauer Rurikiden-Dynastie.
  • Moskau lag damals sehr geschützt in bewaldetem Gebiet an der Moskwa mit Anschluss an die Wolga, was Händler und Siedler anzog und das Fürstentum vor allzu schnellen Zerstörungen im Zuge der mongolischen Eroberung (Goldene Horde) bewahrte.
  • Unter Daniels Nachfolgern – insbesondere Iwan I. (genannt Kalita oder Geldbeutel, 1325–1341) – gelang der politische Aufstieg. Iwan sicherte sich von den mongolischen Khanen das Steuerrecht über die anderen russischen Fürstentümer, verlegte den Sitz des Metropoliten der russisch-orthodoxen Kirche nach Moskau und vermehrte den Einfluss durch geschickte Diplomatie, Käufe und Heiratspolitik.
  • Die imperiale Expansion Russlands begann dann im späten 15. Jahrhundert unter Großfürst Iwan III. (dem Großen). Ab dem Regierungsantritt Iwans III. im Jahr 1462 wandelte sich das Großfürstentum Moskau von einem regionalen Fürstentum durch kontinuierliche Eroberungen und die Befreiung von der mongolischen Vorherrschaft zu einem expansiven Großreich. Iwan III. einigte die russischen Teilfürstentümer unter Moskauer Führung (z. B. durch die Unterwerfung der Republik Nowgorod 1478) und beendete die Tributpflicht gegenüber der Goldenen Horde. 
  • Der Vorstoß nach Asien (ab 1552): Unter Iwan IV. (“dem Schrecklichen“) eroberte Moskau die tatarischen Khanate Kasan (1552) und Astrachan (1556). Damit begann die massive Expansion über den Ural hinaus, wodurch Kosaken ab 1582 Sibirien bis hin zum Pazifik kolonisierten.
  • Nach dem Sieg über Schweden im Großen Nordischen Krieg 1721 gründete Peter I. (“der Große“) die neue Hauptstadt St. Petersburg und nahm offiziell den Titel des Kaisers an. Das russische Zarenreich wurde damit auch formell zum Russischen Imperium (Rossijskaja Imperija).
  • Expansion nach Europa und in den Süden beginnt bereits im 18. & 19. Jahrhundert: Unter Katharina II. (“der Großen“) expandierte das Reich durch die Aufteilung Polens weit nach Westen und annektierte 1783 die Krim, um den Zugang zum Schwarzen Meer zu sichern. Im 19. Jahrhundert folgten der Kaukasus sowie weite Teile Zentralasiens.

Ende des Zarenreiches

1917 folgte dann der Zusammenbruch des Russischen Kaiserreichs. Daraufhin erklärten viele Völker ihre Unabhängigkeit. Die Bolschewiki unter Lenin begannen jedoch sofort im Zuge des Russischen Bürgerkriegs mit der militärischen Unterwerfung dieser Regionen durch die Rote Armee.

  • 1918–1920: Gewaltsame Wiedereingliederung der Ukraine und von Belarus.
  • 1921: Invasion und brutale Besetzung Georgiens, Armeniens und Aserbaidschans. Diese gewaltsam einverleibten Gebiete bildeten schließlich im Dezember 1922 innerhalb der Grenzen des alten Zarenreiches die Basis bei der Gründung der Sowjetunion.

Sowjetunion

  • 1922 Gründung derSowjetunion 
  • 1939 Hitler-Stalin-Pakt
  • Der eigentliche Beginn der imperialen Expansion über die postsowjetischen Grenzen hinaus im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs startete am 17. September 1939. Basis hierfür war das geheime Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts, in dem Nazi-Deutschland und die UdSSR Osteuropa in Einflusssphären aufteilten:

      • September 1939: Einmarsch und Besetzung Ostpolens.
        • November 1939: Angriff auf Finnland (Winterkrieg).
          • Juni 1940: Annexion der baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) sowie Teilen Rumäniens (Bessarabien).

          Nach dem Sieg im Zweiten Weltkrieg 1945 erreichte die sowjetische Expansion ihren vorläufigen Höhepunkt. Zwar wurden die mitteleuropäischen Staaten (wie Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei oder die DDR) nicht formell in die UdSSR eingegliedert, aber als Satellitenstaaten im sogenannten Ostblock politisch und militärisch vollständig von Moskau kontrolliert und dominiert.

          Der Zerfall der Sowjetunion (UdSSR) war ein mehrjähriger Auflösungsprozess zwischen 1985 und 1991, der am 26. Dezember 1991 das offizielle Ende des Staates besiegelte.

          Die hauptsächlichen Ursachen zum Ende waren:

          • Wirtschafts- und Versorgungskrise: Die sowjetische Planwirtschaft, hohe Rüstungsausgaben und ineffiziente Strukturen führten zu chronischem Mangel und einer tiefen Versorgungskrise
          • Reformpolitik (Glasnost & Perestroika): Ab 1985 versuchte der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow das System durch mehr Transparenz (Glasnost) und wirtschaftliche Umgestaltung (Perestroika) zu retten
          • Eigendynamik der Reformen: Statt das System zu stabilisieren, legten die Reformen die Missstände offen und entfachten Unabhängigkeits- und Demokratiebewegungen in den Teilrepubliken

          Wichtige Etappen:

          • 1990: Litauen, Estland und Lettland erklären ihren Austritt bzw.streben die Unabhängigkeit an. Am 12. Juni 1990 erklärt die Russische Föderation (RSFSR) ihre staatliche Souveränität
          • August 1991: Ein gescheiterter Putsch hardliner-kommunistischer Kräfte gegen Gorbatschow schwächt die Unionszentrale endgültig
          • 8. Dezember 1991: Die Präsidenten Russlands (Boris Jelzin), der Ukraine (Leonid Krawtschuk) und von Belarus (Stanislau Schuschkewitsch) unterzeichnen die Belowescher Vereinbarungen, erklären die Sowjetunion für aufgelöst und gründen die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)
          • 25. Dezember 1991: Michail Gorbatschow tritt als Präsident der UdSSR zurück
          • 26. Dezember 1991: Der oberste Sowjet beschließt die formelle Auflösung des Staates zum Jahresende (31. Dezember 1991)

          Folgen:

          • Aus der UdSSR gingen 15 neue, souveräne Republiken hervor (darunter Russland, die Ukraine, das Baltikum und Staaten in Zentralasien)
          • Die Russische Föderation übernahm die völkerrechtliche Nachfolge der Sowjetunion sowie den ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat

          Gründung Russische Föderation

          Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik am 25. Dezember 1991 in die heute bestehende Russische Föderation umbenannt.

          Russische Föderation

          1991–1992 Militärisches Eingreifen in den Georgisch-Südossetischen Krieg
          1992 Konflikt im Distrikt Ost-Prigorodny in Nordossetien
          1992 Militärintervention in den Transnistrien-Konflikt: Von moldauischer Seite wird der Vorwurf erhoben, dass sich Russland mit seiner 14. Armee aktiv an den Kriegshandlungen beteiligt habe.
          1992–1997 Militäreingriff in den Bürgerkrieg in Tadschikistan
          1992–1993 Unterstützung abchasischer Freischärler im Georgisch-Abchasischen Krieg
          1994–1996 Erster Tschetschenienkrieg
          1999–2009 Zweiter Tschetschenienkrieg
          1999 Dagestankrieg
          1999–2003 Vorstoß nach Priština, danach Teilnahme an der KFOR-Mission im Kosovo
          2000 russische Sicherheitskräfte bekämpfen Aufstände in Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan
          2006 Teilnahme an der Operation Active Endeavour im Mittelmeer
          2008 Militäreinsatz im Kaukasuskrieg auf der Seite südossetischer Rebellen
          seit 2009 Kampf gegen das Kaukasus-Emirat, das sich seit 2015 als Teil des IS versteht
          2014 Invasion und nachfolgende Annexion der Krim 2014
          seit 2014 Militärische Unterstützung der prorussischen Kräfte im Krieg in der Ostukraine
          seit 2015 Militärischer Eingriff auf Seiten der Regierung Syriens im Syrischen Bürgerkrieg
          seit 2015 Militärische Unterstützung des Kampfes gegen den Islamischen Staat in Syrien
          seit 2018 Militärische Unterstützung des Kampfes gegen die libysche Regierung auf Seiten Marschall Haftars mit Wagner-Söldnern der GRU
          seit 2019 Militärische Unterstützung des Kampfes gegen die Ahlu Sunnah Wa-Jama in Mosambik mit Wagner-Söldnern der GRU
          seit 2020 Truppen in Bergkarabach, Aserbaidschan
          2022 Beteiligung russischer Truppen an der Niederschlagung der Unruhen in Kasachstan 2022
          seit Feb. 2022 Überfall auf die Ukraine (Eskalation des russisch-ukrainischen Kriegs seit 2014, siehe auch Annexion der Krim 2014)